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Kurze Anleitung
zur
Liebenden-Güte-Meditation
Bhante Vimalaramsi
Aus dem Englischen von Ronald Brudler
Lektorat und Layout: Traudel Reiß
Liebende Güte
Liebende-Güte- (in Pali: Metta-) Meditation beginnt damit, sich selbst
liebende und freundliche Gedanken zu senden. Erinnere dich an eine Zeit, als
du glücklich warst. Wenn das Glücksgefühl aufkommt, erscheint es als warmes,
strahlendes Gefühl im Zentrum deiner Brust. Dann wünsche dir von Herzen
Glück und denke: »Möge ich glücklich sein« … »Möge ich voll Freude sein« … »Möge
ich friedlich und ruhig sein« … »Möge ich heiter und freundlich sein« und so
weiter. Wünsche dir aufrichtig etwas, das heilsam ist und dir etwas bedeutet,
und spüre den Wunsch in deinem Herzen. Das Schlüsselwort hier ist aufrichtig.
Ist dein Wunsch nämlich nicht aufrichtig, dann wird er zu einem Mantra, das
heißt zu einer mechanisch wiederholten Phrase ohne echte Bedeutung. Dann
wiederholt man den Wunsch nur oberflächlich, während man tatsächlich an
andere Dinge denkt. Darum ist es sehr wichtig, dass das, was du dir (und
später deinem spirituellen Freund) wünschst, eine echte Bedeutung für dich
hat und deine ganze, ungeteilte Aufmerksamkeit auf sich zieht. Wiederhole
deinen Wunsch nach Glück nicht ununterbrochen: »Möge ich glücklich sein …
Möge ich glücklich sein … Möge ich glücklich sein … Möge ich glücklich sein«,
sondern nur dann, wenn das Gefühl liebender Güte etwas abzuklingen beginnt.
Löse die Spannung
Das Folgende ist für die Meditation sehr wichtig. Bei jedem Wunsch für dein
Glück kannst du eine leichte Spannung und Verengung in deinem Kopf und Geist
bemerken. Löse sie, indem du den Geist vollständig entspannst. Fühle, wie
der Geist sich öffnet und ruhig wird, aber tu das nur einmal.
Mach dir nichts daraus, wenn die Verengung nicht verschwindet – du wirst sie
lösen können, während du beim Meditationsobjekt (deinem Heimathafen) bist.
Versuche nicht, ständig den Geist zu entspannen, ohne zum Heimathafen
zurückzukehren; bringe deine ruhige Aufmerksamkeit immer sanft zum
Glücksgefühl zurück.
Wie man sitzt
Während der Sitzmeditation sollte man den Körper überhaupt nicht bewegen und
mit gerade aufgerichtetem Rücken, aber nicht steif dasitzen. Jeder Wirbel
sollte locker auf dem anderen liegen. In dieser Stellung wird der Brustkorb
tendenziell etwas vorgeschoben, sodass es einfacher sein kann, das liebende
Gefühl auszustrahlen.
Die Stellung der Beine sollte bequem sein. Wenn sie zu stark angewinkelt
werden, wird die Blutzirkulation leicht unterbrochen, sodass sie einschlafen
und das Sitzen sehr schmerzhaft wird. Es ist in Ordnung, wenn man auf einem
Kissen oder auf einem Stuhl sitzt. Wenn du auf einem Stuhl sitzt, dann lehne
dich aber bitte nicht an. Anlehnen blockiert den Energiefluss im Rücken und
kann schläfrig machen. Sitze einfach in einer bequemen Haltung.
Bitte bewege den Körper während der Meditation überhaupt nicht. Wackle weder
mit den Zehen noch mit den Fingern, kratze und reibe dich nicht, schaukele
deinen Körper nicht hin und her, verändere deine Haltung überhaupt nicht. Am
besten wäre es, wenn du so ruhig wie das Buddhabild oder die Buddhastatue
vor dir dasitzen könntest! Wenn du dich bewegst, so ist das eine große
Ablenkung für deine Praxis und behindert den Fortschritt erheblich.
Während du sitzt, das warme Gefühl der liebenden Güte aus dem Zentrum deiner
Brust ausstrahlst und dir aufrichtig etwas wünschst und diesen Wunsch im
Herzen spürst, wird dein Geist abschweifen und beginnen, an andere Dinge zu
denken. Das ist normal.
Aufsteigende Gedanken
Gedanken sind niemals deine Feinde. Deshalb kämpfe bitte nicht mit ihnen und
versuche nicht, sie wegzudrängen. Nimm aber zur Kenntnis, dass du das Gefühl
der liebenden Güte und den Wunsch für dein eigenes Glück nicht mehr
wahrnimmst, wenn Gedanken aufkommen und dich ablenken. Lass dann die
Gedanken einfach los, selbst in der Mitte eines Satzes, und überlasse sie
sich selbst. Das erreicht man, indem man den Gedanken nicht weiter nachgeht,
egal, wie wichtig sie im Moment auch erscheinen mögen.
An diesem Punkt folgen weitere sehr wichtige Schritte:
Bemerke die Spannung: Bemerke die Verengung und Spannung im Kopf/Geist und
entspanne. Fühle, wie sich die Verengung öffnet. Der Geist scheint sich
auszudehnen und zu entspannen. Dann wird er sehr ruhig und still, frei von
Gedanken und außergewöhnlich klar und wachsam. Bringe den Geist sogleich zum
Meditationsobjekt zurück, das heißt zum Gefühl der liebenden Güte, und
wünsche dir Glück.
Es spielt keine Rolle, wie oft dein Geist abschweift und über andere Dinge
nachdenkt. Was wirklich zählt, ist zu bemerken, dass dein Geist durch einen
Gedanken abgelenkt wird. Dasselbe gilt für Wahrnehmungen und Gefühle, die
deine Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Bemerke die Bewegung des Geistes weg
von der liebenden Güte und lass die Ablenkung los. Dann entspanne die
Verengung und Spannung in deinem Kopf/Geist und bringe deine ruhige
Aufmerksamkeit sanft zum Meditationsobjekt zurück.
Stärke die Bewusstheit: Immer wenn du eine Ablenkung loslässt oder dir Glück
wünschst, die Verengung entspannst, die durch die Bewegung des Geistes
verursacht wird, und deine ruhige Aufmerksamkeit auf das Glücksgefühl neu
ausrichtest, wird deine Achtsamkeit (Bewusstheit) gestärkt. Deshalb
kritisiere dich bitte nicht, weil du meinst, du solltest die Übung besser
machen oder deine Gedanken, Wahrnehmungen und Gefühle seien deine Feinde,
die unterdrückt und zerstört werden müssten.
Solche kritischen, hartherzigen Gedanken und Gefühle enthalten Abneigung,
und Abneigung ist das Gegenteil von liebender Güte. Liebende Güte und
liebende Akzeptanz sind verschiedene Worte, die im Grunde dasselbe aussagen.
Sei also freundlich zu dir selbst. Mach die Übung zu einem unterhaltsamen
Spiel, mit dem du Spaß hast, nicht zu einem Feind, mit dem du kämpfst.
Wie wichtig es ist, die Verengung und Spannung zu lösen, die nach jedem
Gedanken, jeder Wahrnehmung und jedem Gefühl auftreten, kann nicht genug
betont werden. Wenn du die Verengung öffnest, lässt du das Begehren los. Das
zu verstehen, ist sehr wichtig, denn Begehren ist die Ursache allen Leidens.
Bei der Verengung oder der Spannung liegt unsere falsche Vorstellung von
einem Ich.
Begehren und Ich-Identifikation
Begehren und die falsche Vorstellung eines »Selbst« machen sich stets als
Verengung und Spannung im Kopf/Geist bemerkbar. Wenn man die Spannung löst,
lässt man tatsächlich Begehren und die falsche Vorstellung eines »Selbst«
oder die Identifikation mit einem »Ich« mit allen Gedanken, Empfindungen und
Gefühlen los. So reinigt man seinen Geist und wird immer glücklicher und
aufgerichteter.
Während man still sitzt, können bestimmte Empfindungen im Körper auftreten
wie Juck-, Husten- oder Niesreiz, Hitze, Spannung oder Schmerz. Bitte bewege
deinen Körper überhaupt nicht. Wenn eine solche Empfindung auftritt, will
der Geist sofort dorthin eilen. Man muss ihn gar nicht lenken, er geht von
alleine dorthin. Als Erstes produziert der Geist Gedanken über die
Empfindung: »Ich will, dass das vorbeigeht« … »Ich wünsche, dass es aufhört,
mich zu belästigen« … »Ich hasse dieses Gefühl« … »Warum verschwindet das
nicht einfach?« … »Ich will, dass es aufhört.«
Wenn man solchen Gedanken nachgeht, wird die Empfindung nur stärker und
intensiver. Es wird zu einem Notfall im Geist. Dann kann man es nicht mehr
aushalten und muss sich bewegen. Die Anweisung lautet jedoch: Bewege deinen
Körper auf keinen Fall. Beobachte stattdessen die Bewegungen des Geistes.
Was können wir also tun? Wir sollten uns öffnen und dem Gefühl erlauben, da
zu sein.
Öffne dich: Nimm zunächst zur Kenntnis, dass dein Geist zum Juck- oder
Hustenreiz und so weiter abgewandert ist, und bemerke die Gedanken zu dieser
Empfindung. Lass nun diese Gedanken los und erlaube ihnen, einfach da zu
sein. Bemerke als Nächstes die Verengung im Kopf/Geist und entspanne. Es ist
für den Geist ganz natürlich, um jede Empfindung (oder Gefühl) herum eine
Art mentale Faust zu bilden. Diese straffe mentale Faust ist Abneigung.
Öffne dich und erlaube dem Juckreiz (oder der Emotion) da zu sein. Erinnere
dich auch, dass es in Ordnung ist, wenn die Verengung nicht sofort
verschwindet.
Es ist die Wahrheit (Dhamma) des Augenblicks, dass das Jucken oder eine
beliebige andere Empfindung da ist, wenn sie aufkommt. Was du mit diesem
Dhamma machst, bestimmt, ob du unnötigerweise mehr leiden wirst oder nicht.
Dem Juckreiz Widerstand zu leisten und zu versuchen, ihn wegzudenken,
erzeugt nur mehr Schmerz, sowohl subtilen als auch groben.
Die fünf Aggregate
Fünf verschiedene Elemente, die sogenannten fünf Aggregate, bilden den
körperlich-geistigen Prozess eines Menschen: Körper, Gefühl, Wahrnehmung,
Gedanken und Bewusstsein.
Wie man sieht, sind Gefühle1 ein Element und Gedanken ein anderes. Wenn wir
versuchen, unsere Gefühle mit den Gedanken zu kontrollieren, bewirkt der
Widerstand gegen das Gefühl, dass es stärker und intensiver wird. Es kann
sich sogar zu einer echten Notlage auswachsen (wirklich unbefriedigend –
Dukkha), und man kann die Empfindung oder die Emotion nicht mehr ertragen.
Dann muss man sich bewegen. Wenn man aber während der Sitzmeditation den
Körper auch nur ein klein wenig bewegt, wird die Kontinuität der Übung
unterbrochen und man muss von vorn anfangen.
Das Loslassen der Gedanken über die Empfindung (oder Emotion) bedeutet, den
Wunsch loszulassen, das Gefühl mit den Gedanken kontrollieren zu wollen. Es
bedeutet auch, Begehren loszulassen. Und das führt direkt zum Ende vom
Leiden.
Als Nächstes erkennt man die straffe mentale Faust um die Empfindung und
lässt die damit verbundene Abneigung los. Erlaube dem Juck- oder Hustenreiz
(der Empfindung oder der Emotion), einfach da zu sein. Stell sie dir als
eine Blase vor, die frei in der Luft schwebt. In welche Richtung der Wind
auch bläst, die Blase schwebt in diese Richtung. Dreht der Wind, schwebt sie
ohne jeglichen Widerstand in die neue Richtung.
Die Übung besteht darin, liebend anzunehmen, was im Augenblick geschieht.
Bemerke nun erneut die feine Verengung oder Spannung im Kopf/Geist,
entspanne und lenke deine liebende Aufmerksamkeit sanft auf das Gefühl der
strahlenden Liebe aus deinem Herzen zurück und wünsche dir Glück.
Es liegt in der Natur der Empfindungen (und Emotionen), dass sie nicht
sofort verschwinden. Daher pendelt dein Geist immer wieder zwischen dem
Meditationsobjekt (das heißt dem Ausstrahlen des liebenden Gefühls und dem
Wunsch für dein Glück) und dieser Empfindung hin und her. Jedes Mal, wenn
das geschieht, gehst du in der gleichen Weise vor:
Lass los: Lass alle Gedanken, Empfindungen und Emotionen los.
Entspanne: Entspanne die Verengung, lass die mentale Faust um die Empfindung
los und erlaube ihr, einfach da zu sein.
Kehre zurück: Komm zum Meditationsobjekt zurück, das heißt zum Ausstrahlen
des liebenden Gefühls, dem aufrichtigen Wunsch für dein Glück und dem Gefühl
dieses Wunsches in deinem Herzen.
Liebe ausstrahlen
Erinnere dich daran, dass es für einen Gedanken, eine Empfindung oder eine
Emotion in Ordnung ist, da zu sein, weil es die Wahrheit des Augenblicks ist.
Ein Akronym, das sich als Gedächtnisstütze gut eignet, ist DROPSS: Don’t
Resist or Push, Soften and Smile. Leiste keinen Widerstand, wende keinen
Druck an, werde sanfter und lächle! Erlaube den Gedanken, den Empfindungen
und den Emotionen da zu sein, ohne sie verändern zu wollen. Entspanne die
feine (oder gelegentlich auch nicht so feine) Verengung oder Spannung im
Kopf/Geist und bringe deine ruhige Aufmerksamkeit zur Meditation zurück.
Nachdem du das etwa zehn Minuten lang gemacht hast, beginne damit, einem
spirituellen Freund liebende und freundliche Gedanken zu senden. Ein
spiritueller Freund ist jemand, der dich glücklich macht, wenn du an ihn und
seine guten Qualitäten denkst. Er hat dasselbe Geschlecht wie du, lebt noch
und gehört nicht zu deiner Familie. Dies gilt für diesen Augenblick. Später
wirst du auch an alle deine Familienmitglieder liebende Güte senden können.
Wähle jedoch für diese Übungsphase bitte kein Familienmitglied.
Wechsle bitte nicht zu einer anderen Person, sobald du damit begonnen hast,
deinem spirituellen Freund liebende Güte zu senden. Bleibe bei demselben
Freund, bis du die dritte Meditationsstufe (jhana) erreicht hast. Wünsche
dir selbst aufrichtig Glück und sprich dann im Geist: »So wie ich mir selbst
Frieden und Ruhe (Glück, Freude oder was immer) wünsche, so wünsche ich es
auch dir. Möge es dir gut gehen, mögest du glücklich sein und Frieden finden.«
Dann strahle dieses Gefühl von Liebe und Frieden zu deinem Freund aus. Es
ist wichtig, den aufrichtigen Wunsch zu fühlen und dieses Gefühl im Herzen
zu tragen.
Visualisierung
Visualisiere auch deinen Freund vor deinem geistigen Auge. Zum Beispiel
kannst du dir deinen Freund wie auf einem Foto oder wie in einem Film
vorstellen. Die genaue Art der Visualisierung spielt keine Rolle. Stell dir
aber vor, dass dein Freund lächelt und glücklich ist. Denn das kann dich
daran erinnern und dir helfen, auch selbst zu lächeln und glücklich zu sein!
Die Visualisierung ist nicht immer ganz einfach. Sie kann neblig, unscharf,
weit entfernt oder nur für einen kurzen Moment erscheinen. Das ist in
Ordnung. Streng dich nicht zu sehr an, denn sonst bekommst du Kopfschmerzen.
Manche Menschen können überhaupt nicht visualisieren. Dann kann man den
Freund auch über seinen Namen ins Herz schließen. Etwa 70 Prozent der Zeit
sollten für das Gefühl der liebenden Güte aufgewendet werden, etwas mehr
oder weniger als 20 Prozent (abhängig davon, was im Geist geschieht) für den
Wunsch und das Fühlen des Wunsches im Herzen (damit das Gefühl, dass dein
Freund glücklich sein möge, wachsen kann) und nur etwa 10 Prozent für die
Visualisierung des Freundes. Das Gefühl der liebenden Güte ist demnach bei
Weitem der wichtigste Teil der Meditation und die Visualisierung der
unwichtigste. Bemühe dich aber trotzdem ein wenig, zu visualisieren. Mit der
Zeit wird es leichter und besser werden.
Lächeln
Dies ist eine Meditation des Lächelns. Lächle im Geist, wenn du in
Meditation sitzt und zu deinem spirituellen Freund (oder zu dir selbst)
Liebe ausstrahlst. Lächle mit deinen Augen, obwohl sie während der
Meditation geschlossen sind. Das hilft, Spannung in deinem Gesicht abzubauen.
Lege ein kleines Lächeln auf deine Lippen und in dein Herz. Lächeln ist
schön und zu jeder Zeit für die Praxis äußerst hilfreich, besonders während
der Sitzmeditation. Je mehr wir lernen zu lächeln, desto glücklicher wird
unser Geist.
Es mag etwas albern klingen, aber Wissenschaftler haben herausgefunden, dass
die Stellung der Lippen mit der mentalen Verfassung korrespondiert. Wenn die
Mundwinkel nach unten gezogen sind, tendieren die Gedanken dazu, schwer und
unheilsam zu sein. Wenn die Mundwinkel hochgezogen sind, wird der Geist
aufgerichtet und klar, sodass sich öfter Freude einstellen kann.
Das sollte man im Kopf behalten, denn Lächeln kann dir helfen, deine Sicht
über alle Arten von Gefühlen und Gedanken zu verändern. Versuche also, in
alles, was dir begegnet und worauf du deinen Geist richtest, hineinzulächeln.
Mit anderen Worten: Lächle so oft und so viel du kannst.
Stumpfheit des Geistes
Je aufrichtiger und begeisterter du dir und deinem spirituellen Freund
liebende Güte sendest, desto weniger Schläfrigkeit oder Stumpfheit des
Geistes wirst du erleben. Wenn Schläfrigkeit oder Stumpfheit aber doch
auftreten, dann beginnt der Körper zusammenzusacken. Das ist das einzige
Mal, wann du deinen Körper bewegen und aufrichten kannst. Mach es aber auch
nicht zu häufig.
Wenn du beobachtest, dass dein Geist stumpf wird, dann bring deinem Freund
mehr Interesse entgegen. Stell dir vor, wie er etwas tut, das du wirklich
schätzt. Du kannst dir beispielsweise Zeiten vorstellen, als er hilfreich
und großzügig war oder dich glücklich gemacht hat und du mit ihm gelacht
hast. Das kann helfen, dein Interesse und deine Energie zu steigern, und die
Stumpfheit wird nachlassen.
Wenn du mit der Meditation beginnst, sitze bitte wenigstens eine halbe
Stunde lang. Während der ersten zehn Minuten sendest du dir selbst liebende
Güte. Für den Rest der Zeit sendest du deinem spirituellen Freund (denke
immer an denselben Freund) liebende Güte. Wenn die Meditation Fortschritte
macht und du dich dabei besser fühlst, kannst du länger sitzen (so lange du
Zeit hast). Sitze am Anfang jedoch nicht weniger als 30 Minuten pro Tag!
Wenn du Zeit hast, dann sitze auch länger in Meditation.
Aktive Meditation
Diese Meditation übt man nicht nur, wenn man auf einem Stuhl oder auf einem
Kissen sitzt, sondern ständig, besonders im Alltag. So oft laufen wir in
einem Nebel von zufälligen und sinnlosen Gedanken herum. Warum versuchen wir
nicht, Liebende-Güte-Meditation zu üben, wann immer wir uns daran erinnern?
Was macht dein Geist, wenn du vom Haus zum Auto oder vom Auto zum
Arbeitsplatz gehst? Wahrscheinlich denk er Unsinn.
Wir sollten bemerken, was der Geist im gegenwärtigen Moment macht, und die
ablenkenden Gedanken loslassen. Entspanne die Verengung im Kopf/Geist und
wünsche jemandem Glück! Es spielt keine Rolle, wem du liebende Gedanken und
Gefühle während deiner Alltagsaktivitäten sendest. Es kann die Person sein,
die gerade neben dir geht, dein spiritueller Freund, du selbst, oder es
können alle Wesen sein. Die Schlüsselbegriffe ind: Liebe senden, Lächeln und
den aufrichtigen Wunsch spüren. Versuche, das so oft wie möglich während des
Tages zu tun.
Je öfter wir liebende und freundliche Gedanken senden und ausstrahlen, desto
günstiger beeinflussen wir die Welt um uns herum. Als Ergebnis wird unser
Geist zugleich erhoben und glücklich. Schön!
Die Vorteile der liebenden Güte
Liebende-Güte-Meditation zu praktizieren, bringt viele Vorteile: Du schläfst
gut ein, und du schläfst fest. Du wachst leicht und schnell auf. Die
Menschen mögen dich. Dein Gesicht wird strahlend und schön, und dein Geist
wird schneller rein als bei jeder anderen Meditationsmethode. Der Buddha hat
die Liebende-Güte-Meditation öfter erwähnt als die Achtsamkeit auf den Atem.
Daran können wir ermessen, für wie wichtig er sie gehalten hat.
Liebende Güte und Nibbana
Die Praxis der Liebenden-Güte-Meditation kann direkt zum Erleben von Nibbana
führen, wenn man allen Brahmaviharas folgt, nämlich liebende Güte, Mitgefühl,
Mitfreude und Gleichmut. Das wird in den Sutten (den Originallehrreden des
Buddha) oft erwähnt. Viele Lehrer behaupten, dass die Praxis der Liebenden-Güte-Meditation
allein für das Erlebnis von Nibbana nicht ausreicht. Das stimmt auch. Wenn
die Liebende-Güte-Meditation aber als Teil der Brahmaviharas praktiziert
wird, dann führt sie bis zur vierten Meditationsstufe (jhana). Der Buddha
wollte, dass alle Praktizierenden der Meditation bis dahin kommen. In der
vierten Meditationsstufe erfährt man tiefen Gleichmut.
Den Sutten gemäß kann man auf dieser Stufe drei verschiedene Wege
einschlagen. Der eine Weg führt direkt zu Nibbana. Wir wollen an dieser
Stelle aber nicht in Details gehen, um Verwirrung zu vermeiden. Bei
Interesse seien die Sutten Nummer 62 (Maharahulovada Sutta) und Nummer 27 (Culahatthipadopama
Sutta) in der Mittleren Sammlung der Lehrreden des Buddha empfohlen. Ich
hoffe aufrichtig, dass diese Meditationsanweisungen hilfreich für dich sind
und dass du durch ihr Befolgen großen Nutzen haben und ein wahrhaft
glückliches und gesundes Leben führen können wirst.
1. Wenn wir im Buddhismus über Gefühle sprechen, so beinhaltet dies sowohl
Emotionen als auch körperliche Empfindungen und wir gehen mit beiden auf
dieselbe Weise um.
(Stand: November 2006)
Dhamma-Sukha-Meditationszentrum
Anschrift:
Dhamma Sukha Meditation Center und Anathapindika,s Park
Complex
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Annapolis, MO 63620
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